Megaupload — Accounts und Abonnements #1

Accounts und Abonnements

Megaupload.com wird oft als für die meisten der heutzutage standardmäßigen Konventionen und Features in der Filesharing-Szene verantwortlich dargestellt. Doch woher kommt das?

Einen Test der Seite kann man heutzutage leider nur schlecht durchführen, da Megaupload nach der dramatischen Festnahme des Urhebers Kim Dotcom im Jahr 2012 für immer abgeschaltet wurde.

Zum Glück bleibt die Erinnerung an Megaupload, und genügend Dokumentation über die Funktionen der Seite existiert ebenfalls noch. Schauen wir uns mal die Einzelheiten von Megaupload.com an und entscheiden, ob es wirklich als Vorgänger der heutigen Filesharing-Dienste wie Uploaded.net, The Pirate Bay oder Dropbox.com angesehen werden kann.

Die Analyse

Wir werden in diesem Artikel uns hauptsächlich mit dem Bezahlsystem von Megaupload.com beschäftigen, da der immense Profit der Seite das war, was sie so besonders machte und woran auch die meisten Nachahmer natürlich stark interessiert sind.

Genauer gesagt fangen wir mit dem besonderen Accountmodell an.

Megauploads Accountsystem wird oft als Erstes seiner Art und als Revolution für nicht nur den Filesharing-Markt, sondern auch für die gesamte Internet Marketing-Branche angesehen.

Doch wie funktioniert es?

Jeder Internetnutzer konnte komplett kostenlos auf Megaupload.com zugreifen und Dateien hoch- sowie runterladen.

Allerdings gab es dabei einen Haken:

Manche Dateien waren gesperrt.

Diese Dateien wurden nicht willkürlich ausgewählt, sondern ihre Sperrung nach strikten Regeln festgelegt. Grob kann man sagen, dass nur die größten, beliebtesten und meistgesuchten Dateien gesperrt wurden. Also die, die auch die meisten Nutzer herunterladen wollten.

Natürlich gab es schließlich einen Weg, die Sperre aufzuheben, und zwar durch eine Bezahlung.

Megaupload unterstützte sowohl einmalige Zahlungen für spezifische Dateien als auch ein Abonnement, das für eine bestimmte Zeit Zugang zu allen gesperrten Dateien freigibt. Dieses Abonnement-System ist das, was als Basis für die meisten „Premium-Accounts“ heutiger Webseiten dienen durfte.

Zuerst, als Megaupload noch eine Neuheit war, wurde dieses Abonnement monatlich vergütet, doch später, um den Profit zu steigern, wurde auf ein wöchentliches Bezahlmodell umgestiegen. Entgegen allen Erwartungen seitens Experten und anderen Filesharing-Diensten machte dieser Wechsel das gesamte Modell nur noch profitabler.

Außerdem sollte es noch eine andere Geldquelle für die Betreiber von Megaupload abseits der Accounts gegeben haben. Diese ist allerdings heftig umstritten, da Kim Dotcom, Gründer und langjähriger CEO von Megaupload Ltd und somit auch die wichtigste Person hinter Megaupload.com, sich von Berichten über das folgende Bezahlmodell distanziert und oft darauf besteht, dass es auf seiner Seite so etwas nie gegeben hat. Augenzeugenberichte und Analysen des Quellcodes der ehemaligen Seite widerlegen dies jedoch.
Dieses umstrittene Modell ist so radikal wie effektiv, da es stark auf etwas aufbaut, was man im Englischen „immediate gratification“ nennt, zu Deutsch, „unmittelbare Befriedigung“. Das Konzept von immediate gratification kommt aus der Psychologie und besagt, dass zum Beispiel ein Nutzer eines Produkts viel wahrscheinlicher ist, dieses Produkt gut zu bewerten, wenn es ihm in so kurzer Zeit wie möglich befriedigt. Oder, in anderen Worten: Wir Menschen wollen etwas schnell erleben, schnell sehen und schnell die Wirkungen unserer Aktionen spüren, und nur dann sind wir wirklich zufrieden.

Megaupload baute nun auf dieser einfachen Idee auf und gab Usern die Möglichkeit, für das Hochladen von—größtenteils illegalen—Dateien ab einer bestimmten Größe diese Nutzer direkt zu belohnen. Die Belohnungen kamen in der Form von Guthaben vor, das man nicht nur für das Entsperren von einzelnen Dateien, sondern auch zum Beschleunigen von Up- sowie Downloads nutzen konnte.

Dieses Modell gab beiden Seiten klare Vorteile: Die Betreiber der Webseite verdienten viel und die fleißigen Nutzer beschleunigten den Datenaustausch und bekamen die Dateien, die sie verlangten.

Dieses System war ohne Zweifel eines der erfolgreichsten in der Internetgeschichte bisher, doch wie kann man es wirklich mit anderen Services, sowohl aus jener Zeit als auch heute, vergleichen?